Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
Landesarchivtage aus Firmensicht
Ich hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, an einigen Landesarchivtagen teilzunehmen: als Aussteller am Landesarchivtag Sachsen-Anhalt in Naumburg, am Thüringischen Archivtag in Hermsdorf und am Sächsischen Archivtag in Görlitz sowie als Besucher am Hessischen Archivtag in Weilburg. Hier ein paar – sicher laienhafte – Eindrücke aus Hermsdorf und Weilburg.
Der Thüringer Archivtag stand unter dem Motto »Archivportal Thüringen – Bilanz und Perspektiven seiner Nutzung«. Die Bilanz – vorgetragen von Bettina Fischer und Jörg Filthaut – fiel sehr positiv aus, und die Thüringer Archivare schauen recht optimistisch in die Zukunft. Ein Problem in Thüringen scheint zu sein, dass nicht alle am Archivportal beteiligten Archive ihre Daten kontinuierlich aktualisieren. Landesverbands-Chef Dr. Jens Riederer (Stadtarchiv Weimar) warb deshalb eindringlich dafür, eine Thüringer »Kompetenzstelle Archivportal« einzurichten, um gerade kleine Archive zu unterstützen. Ebenso eindringlich bat er darum, die vorhandenen Daten zu überarbeiten und neue Beständebeschreibungen und Findmittel ins Netz zu stellen, verbunden mit dem Hinweis, dass diese nicht perfekt sein müssen, um den Nutzern zur Orientierung und Recherche zu dienen. Daneben bot der Vortrag von Dr. Gerald Maier (Landesarchiv Baden-Württemberg) »Europeana und Deutsche Digitale Bibliothek – Sachstand und Perspektiven für die Archive« einen recht bestimmten Ausblick auf die Entwicklung eines deutschen Archivportals innerhalb der Deutschen Digitalen Bibliothek.
Die Hessischen Archivare versammelten sich, um über »Archive in landesgeschichtlichen Netzwerken« zu beraten. Ich gebe zu, dass dieses Thema nicht ganz im Zentrum meines Interesses steht, und so war ich dann positiv vom Facettenreichtum der Beiträge überrascht. Besonders gefallen haben mir zwei Redner: Prof. Winfried Speitkamp (Universität Kassel) reicherte seinen Vortrag »Zwischen Universität, Archiv und Öffentlichkeit – Perspektiven der Landesgeschichte« mit Vergleichen zur Situation von Archiven in Afrika an – die schlaglichtartig auch die Situation hierzulande erhellten. Dr. Peter Engels (Stadtarchiv Darmstadt) lieferte mit »Archive und Geschichtsvereine – Angebote und Erwartungen« eine Typologie jener Vereine und konnte (durch persönliche Erfahrung fundierte) Handlungsempfehlungen für die Zusammenarbeit geben. Etwas ratlos machte mich Dr. Michael Imhof (Staatliches Schulamt Fulda), der über »Archive als Lernorte und Unterrichtspartner« sprach, weil in seinem Vortrag Institutionen – Schulen, Archive, Ämter – im Zentrum standen. Dagegen fehlten mir die Menschen – Schüler, Lehrer, Archivare – und deren Lebenswirklichkeit. Eine Perspektive konnte ich so nicht erkennen.
In Naumburg und Görlitz (»Ist der Kunde König? Was Benutzer wollen und Archive leisten können«) war der Ausstellerbereich vom Vortragssaal getrennt, so dass ich von der fachlichen Diskussion nichts mitbekommen habe. Zumindestens in Sachsen wurmt mich das, weil die Presse (!) von Facebook, Twitter & Co. spricht (Leipziger Volkszeitung, Lausitzer Rundschau, BILD).
Jahr für Jahr überlegen wir uns, an welchen Archivtagen wir teilnehmen möchten, und ob dies als Aussteller oder als Besucher geschehen soll. Wirtschaftlich – und da geht es vielen Firmen ähnlich – ist die Teilnahme an den Landesarchivtagen nicht darstellbar, konkrete Geschäftsabschlüsse sind die absolute Ausnahme. Es bleibt die Hoffnung, bei dem einen oder anderen Archivar Interesse zu wecken oder bestehende Kontakte pflegen zu können. Wenn dann wie in Naumburg der Ausstellerbereich räumlich und organisatorisch so stark vom Archivtag abgetrennt ist, dass praktisch kein Archivar den Weg zum Stand findet, ziehen wir den Nutzen der Teilnahme sehr, sehr stark in Zweifel. Dass es auch anders geht, haben die Organisatoren in Hermsdorf, Weilburg und Görlitz gezeigt, wobei ich persönlich einen Stand im Vortragssaal bevorzuge: die vielen Eindrücke, das neue Wissen wiegen am Ende doch viel mehr als ein paar ungestörte Stunden zum Arbeiten zwischen den Veranstaltungspausen. Ich freue mich schon jetzt auf die Landesarchivtage 2012.
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